Krebs ist nicht nur eine Zellkrankheit; Dabei handelt es sich um eine systemische Störung, die bis ins Gehirn reicht und Angstzustände und Schlaflosigkeit auslöst und sogar die Immunantwort des Körpers schwächt. Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass Tumore grundlegende biologische Rhythmen verändern können, bevor sie überhaupt nachweisbar sind, wodurch die natürlichen Stresshormonzyklen des Körpers durcheinander gebracht werden. Dies hat erhebliche Auswirkungen sowohl auf die Lebensqualität als auch auf die Wirksamkeit von Krebsbehandlungen.
Die innere Uhr des Körpers und die Störung durch Krebs
Der menschliche Körper arbeitet nach genauen täglichen Mustern. Hormonspiegel, Schlafzyklen und Immunfunktionen steigen und fallen alle vorhersehbar. Diese Rhythmen sind entscheidend für die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts, aber Krebs kann sie ins Chaos stürzen. Studien an Mäusen zeigen, dass Brustkrebs den natürlichen Tag-Nacht-Zyklus von Stresshormonen (Corticosteron bei Nagetieren, Cortisol beim Menschen) abflacht. Anstatt zu schwanken, bleiben die Hormonspiegel unnatürlich stabil.
Diese Störung ist nicht nur ein Nebeneffekt; es ist mit schlechteren Ergebnissen verbunden. Mäuse mit gestörten Rhythmen hatten eine geringere Lebensqualität und höhere Sterblichkeitsraten. Besonders besorgniserregend ist, dass diese Störung früh auftritt, noch bevor Tumore körperlich tastbar sind. Forscher beobachteten Veränderungen im Hormonrhythmus innerhalb von drei Tagen nach der Krebsentstehung – ein Zeichen dafür, dass Tumore die Körpersysteme viel schneller manipulieren als bisher angenommen.
Die HPA-Achse: Das Ziel des Krebses im Gehirn
Die Störung erfolgt über die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse (HPA), das zentrale Stressregulationsnetzwerk des Gehirns. Krebs stört die normale Rückkopplungsschleife zwischen Hypothalamus, Hypophyse und Nebennieren, was zu einem chronischen Ungleichgewicht führt.
Forscher fanden heraus, dass wichtige Neuronen im Hypothalamus in einem Zustand konstanter Aktivität stecken blieben, aber schwächere Signale erzeugten. Diese geschwächte Signalübertragung ist ein entscheidender Teil des Puzzles. Als Forscher das natürliche Tag-Nacht-Muster der Neuronen künstlich wiederherstellten, normalisierten sich die Stresshormonrhythmen wieder.
Den Rhythmus wiederherstellen: Eine unerwartete Wirkung gegen Krebs
Die Auswirkungen waren nicht nur hormoneller Natur. Das Zurücksetzen des Gehirnrhythmus löste eine dramatische Immunreaktion aus. Anti-Krebs-Immunzellen wanderten in Tumore ein und führten zu einer deutlichen Schrumpfung. Der Effekt war zeitabhängig: Die Stimulation zur falschen Tageszeit hatte keine Auswirkungen, was die Bedeutung eines präzisen biologischen Timings unterstreicht.
„Die Durchsetzung dieses Rhythmus zur richtigen Tageszeit steigerte die Fähigkeit des Immunsystems, den Krebs abzutöten“, erklärt Forscher Borniger. Der genaue Mechanismus wird noch untersucht, aber die Ergebnisse legen nahe, dass eine gesunde innere Uhr genauso wichtig ist wie direkte Krebstherapien.
Über die Behandlung hinaus: Stärkung der natürlichen Abwehrkräfte des Körpers
Diese Forschung legt einen neuen Ansatz für die Krebsbehandlung nahe: die Optimierung der inneren Physiologie des Körpers vor oder neben herkömmlichen Behandlungen. Das Team untersucht nun, wie Tumore überhaupt Rhythmen stören, und hofft, Strategien zur Stärkung der natürlichen Abwehrkräfte des Körpers zu entwickeln.
Der Schlüssel zum Mitnehmen? Die Unterstützung der natürlichen Rhythmen des Körpers kann die Wirksamkeit der Behandlung verbessern und die Toxizität verringern. Dies bedeutet, dass man sich auf Lebensstilfaktoren konzentrieren muss, die das hormonelle Gleichgewicht, die Schlafqualität und die Stressbewältigung fördern. Letztendlich erfordert die Behandlung von Krebs möglicherweise nicht nur die Abtötung von Tumorzellen, sondern auch die Wiederherstellung der grundlegenden biologischen Harmonie des Körpers.





















